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Auf einen Schnack mit Birte Gäbel
 

Birte Gäbel (27), Frontfrau und Songwriterin der Hamburger Überraschungs-Pop-Band „Birte und der alltägliche Wahnsinn“ im Interview im Café Chakra:
 
Ein schönes Plätzchen hast du dir hier ausgesucht…

BG:     Ja ich mag dieses Café echt gerne, in diese indischen Kissen kann man sich so schön einkuscheln und die 60er Jahre Sessel sind einfach niedlich.

Erzähl mal, wie bist du zur Musik gekommen?
BG:     Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Klavierunterricht zu nehmen. Davor habe ich mich immer bei meinen Großeltern ans Klavier gesetzt und versucht, die Kinderlieder, die ich kannte nachzuspielen und wollte gar nicht mehr aufhören. Dann haben mich meine Eltern gefragt, ob ich nicht Klavierunterricht nehmen möchte und da hab ich natürlich sofort ja gesagt.

Und damit fing alles an?
BG:     Ja genau. Und mit elf Jahren hat mein Vater mir eine Karte für das Roxette Konzert in Hannover geschenkt und als ich das gesehen habe, war ich total überwältigt. In dem Augenblick wusste ich: Genau das muss ich später auch machen. Seit diesem Tag war dieser Gedanke jeden Tag in meinem Kopf und er ging einfach nicht mehr weg.

Wann hast du dann den Entschluss gefasst, diesen nicht ganz einfachen Weg zu gehen und an deiner Musikerkarriere zu basteln?
BG:     Ich glaube mit 14 habe ich diesen anfänglichen Wunschtraum konkretisiert. Mein damaliger Klavierlehrer hat mich daraufhin weggeschickt und mir gesagt, ich müsste bei jemandem anders Unterricht nehmen, wenn ich wirklich vorhaben sollte, Musik zu studieren. Von da an habe ich mich erstmals für klassischen Gesang begeistert und daher auch den Entschluss gefasst, mich darin ausbilden zu lassen.
Ich ging schließlich erstmal von Hameln nach Hannover zum Lehramtstudium für Musik und Deutsch, weil meine Mutter sagte, ich solle was Sicheres machen. Sie lacht leise Ich hab da zwar klassischen Gesang studiert, aber immer beide Musikrichtungen verfolgt. Schon als Jugendliche habe ich in verschiedenen Bands gespielt und auch während des Studiums den Pop- und Jazzgesang nie ganz aufgegeben. Mit 22 Jahren habe ich dann gemerkt, dass dieses Studium nicht das Richtige ist und mein Weg eigentlich woanders hingehen muss. Da kam auch meine Kreativität wieder zum Vorschein, ich habe nämlich schon mit 12/13 Jahren erste Lieder geschrieben und das war jahrelang völlig eingeschlafen. Ich habe lange Zeit immer nur das gemacht, was mir gesagt wurde und was ich an Anforderungen erreichen musste. Als ich gemerkt habe, dass dieser sichere Weg niemals meiner sein würde, kam die Kreativität von ganz alleine wieder und da habe ich auch wieder angefangen, selber Songs zu schreiben. In dieser Zeit sind auch meine ersten Lieder, die ich heute mit meiner Band spiele, entstanden. „Mein Traum vom Leben“ stammt zum Beispiel aus dieser Zeit.
Ab da an war mir klar: Diesen Weg, selbst auf der Bühne zu stehen, zu verfolgen, das ist genau das Richtige für mich. Also bin ich nach meinem Lehramtstudium nach Hamburg an die „School of Music“ gegangen. Letzten September habe ich da meinen Abschluss gemacht.

Wer oder was inspiriert dich?
BG:     Mich inspirieren Alltagssituationen, ähnlich wie Loriot das mal gesagt hat: Man merkt manchmal, wie lustig eine bestimmte Situation ist. Mir fällt da ein Beispiel ein: Du stehst in der U-Bahn und alle, die um dich herum stehen, reden am laufenden Band auf ihre Handys ein. Man bekommt dabei Geschichten zu hören, die man eigentlich gar nicht hören will und plötzlich merkt man, wie witzig diese Situation gerade ist.
Häufig bin ich auch inspiriert von anderen Leuten in Konzerten, nicht in der Form, dass ich etwas abgucke, sondern eher auch aus der Situation heraus. Ich war beispielsweise mal bei einem Konzert, das war ganz furchtbar. Die Bühnenshow war total übertrieben, es kam überhaupt nicht mehr auf den Gesang an, nur auf buntes, lautes Glitzerspektakel auf der Bühne. Total übertrieben fand ich das und da dachte ich mir, darüber kannst du einen Song schreiben. Es gibt natürlich auch positive Erlebnisse dieser Art. Sie lacht
Ja, und da sind meine eigenen Gedanken, die mich inspirieren. Ich denke viel nach über das, was mir passiert, über das Leben, die Welt, und darüber schreibe ich dann.

Was und wen möchtest du mit deiner Musik erreichen?
BG:    Ganz ehrlich? Ich möchte genau die Leute erreichen, die auch genervt sind von dieser „glattgebügelten“ Pop-Musik und die auch auf der Suche sind nach etwas, was ihnen weiterhilft, nach jemandem der ihre Gedanken versteht. Leute, die nach echten Gefühlen, nach einer gewissen Zerbrechlichkeit suchen und einer selbstironischen Sicht in einer Welt, die so auf Show und auf Unechtes angelegt ist, gerade in der Musikbranche. Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die da einen Gegenpol suchen und ja, diese Menschen möchte ich erreichen.

Mit welchen drei Worten würdest du deine Musik beschreiben?
BG:     Oh Mann, ich hasse diese Drei-Wort-Fragen…Sie lacht und schüttelt den Kopf
Nein, im Ernst, ich würde sagen: abwechslungsreich, nachdenklich, humorvoll.

Und weil du diese Fragen so liebst, mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben?
BG:    Terminbesessen Sie lacht auf. Ironisch auf jeden Fall. Also das mit dem Terminbesessen hab ich gar nicht über mich gesagt, sondern jemand anders. Und reflektiert.

Hast du Vorbilder?
BG:     Ja.
Nun muss ich wiederum lachen
Würdest du sie mir sagen?
BG:    Ach so (kichert) Ja natürlich. Mensch, ich habe mir immer mal vorgenommen, mir aufzuschreiben, welche Vorbilder ich habe, damit ich das in so einem Moment parat habe. Also Helge Schneider auf jeden Fall. Der fällt mir da sofort ein. Loriot, Diana Krall, Heinz Erhardt, Nils Landgren und die Real Group nicht zu vergessen.

Was ist dein nächstes großes Ziel, dein nächstes großes Vorhaben?
BG:    Meine Platte unter einem Label zu veröffentlichen und es zu schaffen, mit meinen Konzerten eine solide Fangemeinde zu erspielen. Und dass wir deutschlandweit im Radio gespielt werden und Konzerte geben können. Das wäre schon ein Traum-Ziel von mir.

Letzte Frage, wenn du nicht Musikerin geworden wärst, dann wärst du heute…?
BG:    Tot! Lacht
Nein, aber das war wirklich schon immer ein Horror-Gedanke von mir. Für mich gab es nie eine andere Perspektive.

Ich danke dir für das Interview.

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